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30. Jahrestag des Völkermords in Srebrenica

30. Jahrestag des Völkermords in Srebrenica

Folgen der Tragödie sind immer noch in Bosnien und Herzegowina spürbar

10.07.2025 aktuelles
Auch 30 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica wirken die damaligen Verbrechen bis heute in der Gesellschaft in Bosnien und Herzegowina nach. Wie der Sprecher des Erzbistums Vrhbosna mit Sitz in Sarajewo, Dražen Kustura, in einem Interview mit KIRCHE IN NOT berichtet, seien die Wunden der Vergangenheit weiter offen und der Prozess der Versöhnung und Vergebung werde behindert.

 

Es gebe zwar gemeinsame Begegnungen zwischen Vertretern der katholischen Kirche und der islamischen Gemeinschaft anlässlich der Gedenkfeiern. Aber es sei derzeit nahezu unmöglich, gemeinsame Aktivitäten unter Einbeziehung der orthodoxen Christen umzusetzen. Zwar erkenne die serbische Politik und auch die serbisch-orthodoxe Kirche das Massaker in Srebrenica als schweres Verbrechen an, leugne aber den Völkermord. „Solange diese Haltung vorherrscht, sind gemeinsame Initiativen kaum zu erwarten“, so Kustura.

Dražen Kustura, Sprecher des Erzbistums Vrhbosna mit Sitz in Sarajewo © Katolicki tjednik
Hintergrund: Im Juli 1995 wurden mindestens 8000 Menschen auf grausame Weise von vorwiegend serbischen paramilitärischen Truppen unter der Führung von Ratko Mladic ermordet. Die Opfer waren überwiegend Männer zwischen 13 und 75 Jahren. Der Völkermord in Srebrenica gilt als größtes Massaker in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

 

Größtes Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

Dennoch seien Vergebung und Versöhnung möglich, so der Sprecher des Erzbistums. Dass die einst verfeindeten Parteien heute in relativem Frieden lebten und miteinander redeten, seien wichtige Zeichen. „Wir dürfen jedoch die Notwendigkeit von Gerechtigkeit nicht außer Acht lassen, das heißt, dass jeder Einzelne für die Verbrechen, die er begangen hat, zur Rechenschaft gezogen werden muss.“

Jugendpastoralzentrum Johannes Paul II. in Sarajewo
Die katholische Kirche in Bosnien und Herzegowina setzt auf den Dialog zwischen den drei wichtigsten Religionsgemeinschaften. Ein Beispiel ist das Projekt „Lass uns gemeinsam gehen“ des Jugendpastoralzentrums „Johannes Paul II.“ in Sarajewo, das bereits seit 10 Jahren Jugendliche zusammenbringt. Durch Bildungs-, Sport- und andere Aktivitäten sollen Spaltungen überwunden und junge Menschen zum Brückenbauen zwischen den Religionen und Volksgruppen ermutigt werden. KIRCHE IN NOT hatte den Bau des Jugendpastoralzentrums „Johannes Paul II.“ großzügig unterstützt und fördert bis heute die Einrichtung.

 

Katholische Kirche setzt auf Dialog

Tragödien wie das Kriegsverbrechen in Srebrenica könnten eine Lehre für die Zukunft sein, damit künftige Generationen die Fehler ihrer Vorfahren nicht wiederholten. „Srebrenica ist eine Mahnung dafür, wie viel Leid Menschen einander zufügen können, wenn sie von Hass erfüllt sind“, so Kustura weiter. „Aber die aktuelle Weltlage und die andauernden Kriege zeigen, dass aus den Fehlern der Vergangenheit nur wenig gelernt wird.“

Ein Friedhof oberhalb von Sarajewo (Foto: pixabay)
Auch wenn Srebrenica ein Ort des Schmerzes und des Leidens sei, könne er doch zu einem Ort der Versöhnung und der Umkehr werden, von dem eine klare Botschaft ausgeht: „Krieg und Verbrechen haben noch nie jemandem etwas Gutes gebracht; stattdessen müssen wir für Frieden, gegenseitigen Respekt in der Vielfalt und Gerechtigkeit kämpfen.“
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Verwendungszweck: Bosnien und Herzegowina

Weltkirche aktuell: Bosnien-Herzegowina: Kirche 30 Jahre nach dem Krieg